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Nachtkauf

Tobias Bergner

Ein Kennzeichen des beginnenden 21. Jahrhunderts ist das Aufweichen von traditionellen Zeitmustern. Dies fordert und bedingt eine Veränderung der Lebensstrukturen, eine Auflösung des natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus. Der heute gelebten und geforderten Flexibilität wird versucht durch neue Ladenschlussgesetze Rechnung zu tragen.

In der Großstadt Berlin gibt es im Vergleich zu klein- und mittelstädtischen Lebensorganisationen schon lange nur wenig Ruhepausen. Zusätzlich gefördert durch den Sonderstatus vor 1990 und die Neustrukturierung der Nachwendezeit, fand eine Nischenbildung im Bereich des Spät- und Nachtangebots statt.

Dieses andere Nachtleben, abseits der Bars, Kneipen und Diskotheken, soll Thema der durch Fotografie begleiteten Dokumentation werden. Orte wie Tankstellen, Bahnhofsläden, Spätkaufläden, Copy-Shops und Waschsalons, die nachts Waren und Dienstleistungen für den alltäglichen Gebrauch anbieten, sind Ziel der Untersuchung. Wo vormals das Einkaufen in den erweiterten Arbeitsbereich und die ‚Tagespflicht' fiel, verschwimmen heute die Grenzen zur Freizeit immer mehr.

Ich möchte hinterfragen, ob die emotionalen Konnotationen dieser klassischen  Organisationsstrukturen so stabil sind, dass sie Einfluss auf das Konsumverhalten zur Nachtzeit nehmen. Untersucht werden soll, ob mit dem Angebot über eine Bedarfsdeckung hinaus soziale und kulturelle Räume geschaffen werden, die mehr als eine einfache Erweiterung des Tagesangebots darstellen.



Kontakt: tobiasbergner -at- web.de